Achtung: THE KING'S SPEECH wegen der großen Nachfrage bis 15. März verlängert!
Vorschau 2012/2013

Auf ein Neues
Auf ein Neues

The King's Speech - Die Rede des Königs
THE KING'S SPEECH

Wahlverwandschaften
Wahlverwandtschaften

Don Carlos
Don Carlos

Das Haus am See
Das Haus am See

Händel und Bach
Händel und Bach

Die Harry Belafonte Story
Die Harry Belafonte Story

Alles auf Krankenschein
Alles auf Krankenschein

Die Heinz-Erhardt-Revue
Die Heinz-Erhardt-Revue

Denn sie wissen nicht, was sie erben
Denn sie wissen nicht, was sie erben

Nie wieder arbeiten
Nie wieder arbeiten

Vorschau 2011/2012
Die Nelson Mandela Story
Die Nelson
Mandela Story

Denn sie wissen nicht, was sie erben
Denn sie wissen nicht, was sie erben

Harper Regan / Marion Kracht © Urban Ruths
Harper Regan

Die Räuber
Die Räuber

Sein oder Nichtsein
Sein oder Nichtsein

Der Priestermacher
Der Priestermacher

Das Haus am See
Das Haus am See

Die Harry Belafonte Story
Die Harry Belafonte Story

Nie wieder arbeiten
Nie wieder arbeiten

Sondervorstellungen
Cantor und Clown
Cantor und Clown



Kempf Theatergastspiele    
Kreativität
Kultur
Können
Kunst
   


Ein Leben ohne Theater ist möglich, aber sinnlos!
(frei nach Loriot)


Die Inthega-Herbstagung 2010 in Wolfsburg © Theatergastspiele Kempf GmbH
Inthega-Herbststagung 2011    Die Inthega-Frühjahrstagung 2010 in Villingen-Schwenningen
   
Die Inthega-Frühjahrstagung 2010 in Villingen-Schwenningen
Inthega-Herbststagung 2011
 
   Die Inthega-Frühjahrstagung 2010 in Villingen-Schwenningen
   
Die Inthega-Frühjahrstagung 2010 in Villingen-Schwenningen
Inthega-Herbststagung 2011
 
   Die Inthega-Frühjahrstagung 2010 in Villingen-Schwenningen


_____________________________________________________

Hier erfahren Sie aktuelle Neuigkeiten
über unsere Produktionen und Schauspieler.

_____________________________________________________
    
„Sein oder Nichtsein“
 
Zum Fürchten und Lachen
 
„Sein oder Nichtsein“ spielt intelligent mit dem Schrecken des Nazi-Terrors
Inszenierung nach dem Lubitsch-Filmklassiker erhält im Stadttheater großen Applaus

 
Kempten Gestapo Hauptquartier. Ein Junge wird mit einem Spielzeugpanzer bestochen und die politische Haltung seines Vaters ausspioniert. Der Führer kommt. „Heil Hitler!“ – „Ich heil mich selbst“, erwidert dieser. Im Zuschauerraum regt sich etwas und ein Mann eilt zur Bühne und fährt dazwischen. „Nein, so geht das nicht“, sagt er und entpuppt sich als Regisseur. Erst jetzt wird dem Zuschauer klar, dass da ein Stück geprobt wird und der wirkliche Schauspieler Christian Janda den jüdischen Schauspieler Grünberg spielt, der wiederum den Hitler gibt. Theater im Theater also. Eine reizvolle Sache, die leicht schief gehen kann. Jedoch nicht unter den erfahrenen Regiehänden eines Barry L. Goldman, der im Auftrag der Theatergastspiele Kempf „Sein oder Nichtsein“ von Nick Whitby als umjubelte Premiere auf die Bühne des Stadttheaters brachte.
 
Szenenfoto - Copyright Theatergastspiele kempf

 
Zivilcourage und Solidarität
 
In der 2008 entstandenen Bühnenfassung nach dem Kult-Film „To Be or Not to Be“ von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942 proben polnische Schauspieler das Stück „Ein Geschenk von Hitler“. Sie bekommen aber keine Aufführungsgenehmigung, denn es ist Krieg. Das Bühnenbild können sie aber gebrauchen, als der Star des Theaters, Maria Tura, in eine Spionageaffäre verwickelt wird. Nun müssen sie um ihr Leben spielen. Sie schlüpfen in ihre Nazi-Kostüme, um nicht nur ihr eigenes Leben zu retten, sondern auch den Sohn des inzwischen deportierten Schauspielkollegen Grünberg in Sicherheit zu bringen. Die Komödie schafft es, dem Nazi-Terror Tugenden wie Zivilcourage und Solidarität entgegenzustellen, ohne den Schrecken des Holocaust zu verkleinern. Mit einem Ensemble von neun, teilweise aus dem Fernsehen bekannten Schauspielern wartete die Inszenierung, die bis Februar auf Deutschlandtour ist, auf. In den Hauptrollen: Isabella Hübner als Maria Tura und Bernhard Bettermann als Josef Tura, außerdem in meist mehreren Rollen Jörg Reimers, Alexander Wipprecht, Christian Claaszen, Sarah-Jane Janson, Dunja Bengsch, Christian Janda, David Scholz.
 
Raffiniertes Bühnenbild
 
Nicht hoch genug zu loben sei der Bühnenbildner Andrey von Schlippe, der die schier unmöglichen Ortswechsel, die der Film durch viele schnelle Schnitte vorgab, zu realisieren hatte. Drehbare Stellwandelemente, in welche Türen eingelassen waren, ersetzten die Drehbühne, so dass von der Garderobe auf die Nazi-Bühne und von dort aufs reale Gestapo-Hauptquartier gewechselt werden konnte und sogar der Blick in einen zweiten Zuschauerraum freigegeben wurde. Der Sieg der Komödie über die Tragödie auch zum Schluss: Nicht Grünberg, jetzt einen Judenstern tragend, schließt eingehüllt in Klezmer-Musik den blutroten Vorhang endgültig, sondern die gerettete Schauspieler-Truppe träumt über den Wolken auf dem Weg nach Amerika von einem neuen Leben. Am Ende gab es im Stadttheater begeisterten Premieren-Applaus für ein spielstarkes Ensemble und eine mutige Regie.
 
Von Jana Schindler - Allgäuer Zeitung, 6.12.2011
 
    

_____________________________________________________

    
Neu im Programm:

AUF EIN NEUES

THE KING'S SPEECH

DON CARLOS

ALLES AUF KRANKENSCHEIN

Uraufführung

Die Harry Belafonte Story

    
_____________________________________________________

    


Margrit Kempf, INTHEGA-Kultur-Journal 3/11, 2011
 
Auftragswerke bei Kempf
 
Auftragswerke haben sich inzwischen als feste Größe im Spielplan von Kempf Theatergastspiele etabliert. Diese Produktionen zeigen, dass es uns mit unserer langjährigen Erfahrung, unserer kreativen Herangehensweise und der Kontinuität in der Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Autor Gerold Theobalt gelingt, mit Auftragswerken große Erfolge zu feiern.
 
Mit „I Have A Dream" hat alles angefangen. Als ich auf meinem Schreibtisch unter den vielen von Verlagen angebotenen Theaterstücken ein Textbuch mit dem Untertitel „Die Martin Luther King Story" fand, wusste ich sofort, dass ich es, aus einer sehr persönlichen Motivation heraus, machen möchte, und reservierte das Stück beim Verlag.
„I Have A Dream" von Gerold Theobalt war bereits am Schauspielhaus Wuppertal uraufgeführt worden, mit weißen Schauspielern und Jazzmusik. Meine Vision war von Anfang, es mit schwarzen Darstellern zu besetzen und mit eigener Soulmusik und Gospels zu produzieren. Und ich dachte sofort an Ron Williams als Martin Luther King, der bei uns schon mit „Von Mäusen und Menschen" auf Tournee gewesen war.
Ron war sofort Feuer und Flamme und schuf zusätzlich die eindrucksvollen Songs „When Mama Parks Sat Down", „Lady Liberty", „lt Can Move You Too" und „We're Marchin"'.
Die Zusammenarbeit mit Gerold Theobalt, der für große Theater schreibt, ist stets geprägt vom kreativen Gestalten des Prozesses bis zur Premiere. Und dann kamen die Erfahrungen auf Tournee: Nach jeder Szene gab es so starken Szenenapplaus, dass sich die Vorstellung auf drei Stunden verlängerte. Um wieder auf eine Spieldauer von unter 2 ½ Stunden zu kommen, mussten wir also kürzen und sogar ganze Szenen herausnehmen. Und so haben wir immer wieder gemeinsam am Stück gefeilt. Es war der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit.
„I Have a Dream — Die Martin Luther King Story" wurde auf Tournee ein sensationeller Erfolg. Es lief vier Spielzeiten lang und brachte uns 2003 den 1. INTHEGA-Preis. Schon während der Proben zu „I Have A Dream" hatte ich die Idee zu einem Stück über die beiden weiblichen Ikonen der schwarzen Musik Ella Fitzgerald und Billie Holiday. Ich beauftragte natürlich Gerold Theobalt hiermit. „Ella & Billie" kam in der Spielzeit 2006/07 heraus und wurde mit dem Crossover-Preis der INTHEGA 2007 ausgezeichnet.
 
Während „I Have a Dream" und „Ella & Billie" auf Tournee liefen, entstand der Plan, ein Stück über Nelson Mandela zu produzieren. Es war mein Anliegen, mein Engagement auf dem Themengebiet „Herausragende schwarze Persönlichkeiten und ihr Kampf um Befreiung von Unterdrückung und Diskriminierung" unbedingt weiterzuführen und so gab ich bereits 2006 das Stück über Nelson Mandela bei Gerold Theobalt in Auftrag.
Dabei legte ich großen Wert darauf, dass wir auch Nelson Mandelas private Seite zeigen und dass die Figur der Winnie Mandela in ihrer schwierigen Vielfalt den richtigen Platz im Stück erhält. Des Weiteren war mir sehr wichtig, die Bedeutung der beispielhaften „Wahrheits- und Versöhnungskommission" (TRC) von Desmond Tutu zu würdigen und zum gewichtigen Eckpfeiler des Stückes zu machen.
Während der Proben gab es viele fruchtbare Diskussionen zwischen Ensemble, Regieteam, Autor und mir, und wir entwickelten das Stück stetig weiter. Dabei konnte Ronald Mkwanazi, der südafrikanische Darsteller des Tutu, der während der Apartheid in Südafrika inhaftiert gewesen war, uns mit seinen authentischen Erfahrungen wertvollen Rat geben und die Inszenierung bereichern.
„Die Nelson Mandela Story" wurde ein riesiger Erfolg. Es wird in der Spielzeit 2011/12 zum vierten Mal auf Tournee sein und wurde sowohl 2009 als auch 2010 und 2011 für den INHTEGA-Preis nominiert.
 
Nach dem Gelingen all dieser Produktionen werden wir selbstverständlich dieser thematischen Linie treu bleiben und auch die Zusammenarbeit mit dem Autor fortsetzen. Um mein Engagement weiterzuführen, folgt nun das Auftragswerk über Harry Belafonte. Das Genre all dieser Stücke „Schauspiel mit Musik" können wir in diesem Fall in besonderer Weise mit dem Thema verbinden: Harry Belafonte ist als Sänger weltberühmt und kämpfte sehr aktiv in der Bürgerrechtsbewegung.
 
Und - „Never change a winning team!" - gerade schreibt Gerold Theobalt an einem neuen Stück für uns, und wieder wird es ein „Schauspiel mit Musik".
    

_____________________________________________________
    
„Die Räuber“
 
Klassiker in neuem Gewand
 
Die Theatergastspiele Kempf begeisterten mit Schillers Sturm-und-Drang-Drama "Die Räuber"
 
LIPPSTADT. Tumultartige Zustände im Theater, Chaos im Zuschauerraum. Folgen der Uraufführung des Schauspiels „Die Räuber" von Friedrich Schiller vor fast 230 Jahren in Mannheim. Zum großen Ausnahmezustand kam es zwar im Lippstädter Stadttheater nicht, doch frenetischer Applaus und Bravo-Rufe zeugten von der Begeisterung, die die intensive Umsetzung des Klassikers durch das Ensemble der Theatergastspiele Kempf (Regie: Christoph Brück) in der Hansestadt hervorrief.
 
Szenenfoto - Copyright Theatergastspiele kempf

 
In dem genial durchdachten, perfekt einfach gehaltenen Bühnenbild von Claudia Weinhart bilden die Protagonisten die Brücke zwischen Klassik und Moderne. Auf einer vorwärts zulaufenden, den kommenden Niedergang symbolisierenden schiefen Holzebene mit eingelassener Falltür wird gestürmt und gedrängt, dass es dem Publikum mehr als einmal den Atem verschlägt.
 
Textstraffung und moderne Kostüme nehmen dem Jugendwerk des zwanzigjährigen Schiller nichts von seiner eindringlichen Tiefe, sondern verstärken die Dynamik und vermitteln erschreckende Aktualität.
 
Zwei ungleiche Brüder, Karl (Julian Weigend) und Franz von Moor (Julius Bornmann) buhlen um die Gunst des gräflichen Vaters. Franz, der jüngere ungeliebte Sohn, manipuliert Vater und Bruder, bis sich beide entzweien. Karl verzweifelt und wird Anführer einer Räuberbande. Ein deutscher Robin Hood: Er nimmt den Reichen und gibt den Bedürftigen.
 
Zwischen Idealen und mörderischer Anarchie
 
Franz spinnt mit seinem Diener Hermann (toll: Wolfgang Grindemann) weiter Intrigen, kerkert den schwerkranken Vater ein und versucht Karls Verlobte Amalia zu vergewaltigen. Als die Räuber zur Befreiung eines Bandenmitglieds unschuldige Frauen und Kinder ermorden, überfallen Karl existenzielle Zweifel. Inkognito begibt er sich auf das väterliche Schloss und findet den gefangenen Grafen, der in seinen Armen stirbt. Doch bevor er an seinem Bruder Rache nehmen kann, erdolcht sich dieser. Amalia fliegt in Karls Arme, doch da ein Treueschwur ihn an seine Mannen bindet und die junge Frau nicht noch einmal verlassen werden möchte, fleht sie um den Gnadentod durch Karls Hand. Nachdem er seine Geliebte erdrosselt hat, sieht Karl keine Möglichkeit mehr, sein bisheriges Leben weiterzuführen, und möchte sich der Justiz ausliefern. Doch die Bande kommt ihm zuvor und tötet ihren Hauptmann durch Genickschuss.
 
Das Drama um den Leidensweg der beiden Brüder, die durch ihre Radikalität den eigenen Untergang provozieren, lebt von der beeindruckenden Sprechkunst der Darsteller und eindringlicher Körpersprache. Allen voran ein brillanter Julian Weigand und ein wunderbarer Julius Bornmann. Perfekt versteht es Bornmann, seinem Franz facettenreiches Leben einzuhauchen. Gekonnt versteckt er sich hinter der Maske des vernachlässigten Sohnes, spinnt mit bewegend unbewegtem Gesicht Mordpläne und lässt nur ab und zu, dann aber umso intensiver, das Monster in ihm aufblitzen.
 
Als Gegenpart Karl wirkt Julian Weigend kraftvoll mitreißend aber auch warmherzig verzweifelt. So laufen bei der letzten Begegnung mit seinem sterbenden Vater (hervorragend: Hans H. Steinberg) dem Publikum kalte Schauer über den Rücken. Intensiv verkörpert Achim Grauer als Kumpan Spiegelberg den Übergang zwischen jugendlichen Idealen und mordbrennerischer Anarchie: „Der Mut wächst mit der Gefahr."
 
Tief unter die Haut geht diese Inszenierung. Und als der Räuber Razman (Aaron-Frederik Defant) zum Schluss seinen Anführer von hinten erschießt, herrscht minutenlang Totenstille im Saal - bis der Applaus losbricht.
 
te - Der Patriot, 23.2.2010
 
    


_____________________________________________________
    
„Die Nelson Mandela Story“
 
Die "Nelson Mandela Story" berührt die Herzen und begeistert im Kronacher Kulturraum die Theaterbesucher.
 
Lebenslanger Kampf für Freiheit
 
Kronach - Der Abend im Kreiskulturraum geht wahrhaftig unter die Haut. Nelson Mandelas Schicksalsgeschichte, die nicht nur eine persönliche Befreiung aus 27-jähriger Einzelhaft war sondern ein Symbol für den Kampf gegen Versklavung, Unmenschlichkeit, Dummheit und unaufgeklärte Ignoranz gegenüber allem, was nicht das gleiche Menschenantlitz trägt wie die herrschende Rasse. Dennoch verzweifelt der Zuschauer nicht an dem Schrecklichen, das Menschen den Menschen zufügen, sondern wird von der Engagiertheit und Glaubwürdigkeit der Schauspieler wie Ronald Mkwanazi als glaubensstarker Bischof Tutu, der bezaubernden Dominique Siassia als liebende und radikale Winnie Mandela sowie dem energisch seinen Idealen folgenden Ron Williams in der Titelrolle von politischer Ohnmacht und Depression letztlich befreit. Die Originalsongs, die der Schauspieler und Soulsänger Ron Williams zusammen mit Michael Ruff und Wolfgang Schmidtke für das Werk geschrieben haben, und vor allem der faszinierende Brasilianer Bani Silva Prado mit Bongo-Trommeln, Maultrommel und seiner zischenden Stimme reißen den betroffenen Besucher aus der Verzweiflung und hin zu einer menschlichen, moralisch verantwortbaren Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Zwar sind die Menschen wie Kant sagt, aus so ungeradem Holz geschnitzt, dass nichts rechtes aus ihnen zu machen ist; er ist aber zumindest "zur Vernunft fähig". Eine Hoffnung auch für Birma und China im Angesicht der langen Geschichte des Freiheitskampfes von Südafrika.
 
Szenenfoto - Copyright Theatergastspiele kempf

 
Rückblickend erzählt
 
Gerold Theobald hat schon ein preisgekröntes Schauspiel mit Musik über Martin Luther King mit Ron Williams im Sinne einer theatergerechten Aufklärung verfasst. In der "Nelson Mandela Story" dramatisiert er die chronologischen Ereignisse aus dem Leben von Nelson Mandela und erzählt sie in einer aktuellen Rückschau. In der Regie von Barry L. Goldman lebt das Stück von den vielseitigen Schauspielern, dem Bühnenbild (Andrey von Schlippe) und aktuellen Rundfunkeinspielungen. Ina Bleiweiss als Stimme der Literaturnobelpreisträgerin und Achim Zeppenfeld als Radiosprecher ergänzen im Radiosound die begleitende Musik von Bani Silva Prado. Gabriele Welker ist als Zeitzeugin so natürlich wie Jörg Reimers als der "Prime Eval" Eugene de Kock, der im Gespräch mit Bischof Tutu in den Rahmendialogen verzweifelt nach seinem Himmel für Weiße sucht. Nik Felice und Matthias Horbelt schlüpfen wie Gabriele Welker und Jörg Reimers unglaublich verwandlungsfähig in viele Rollen wie Präsident de Klerk, Buren und dem Arzt Dr. Niels Barnard, der die Minderwertigkeit der Schwarzen genetisch nachweisen will (Matthias Horbelt), denen eine eigene Charaktermaske aufgesetzt werden muss. Das überzeugende Ensemble besteht rundum aus Schauspielern, die von Film und Fernsehen bekannt sind. Nelson "Madiba" Mandela behält seine Zivilcourage und Standfestigkeit auch durch das bei Ron Williams in feinen Nuancen nach und nach sichtbare physische wie seelische Altern. Ronald Mkwanazi als authentischer Reverend und dann mit dem Friedenspreis gekrönter Bischof Desmond Tutu ist der ruhige Revolutionär im Glauben. Die jugendfrische gewaltbereite, später gereifte "königliche" Winnie Madikizela-Mandela verkörpert Dominique Siassia in all ihren liebens- wie verachtenswerten Schattierungen. Sie führt mit dem an Gandhi orientierten und noch immer liebenden alten Madiba ein politisches Schmierentheater auf, um die Macht im Kampf gegen die Apartheid mit Nelsons Präsidentschaft zu sichern.
 
Überzeugendes Ensemble
 
Diese persönliche Entwicklung beider von 1962 bis 1994 mit allen Ausstrahlungen bis in die Gegenwart lässt der Dramatiker mit seiner maßgeschneiderten Dialogkunst in einem bei Schwerpunkten verweilenden Zeitraffer auf der Bühne spielen. Und die Zuschauer des Kreiskulturrings waren ebenso betroffen wie hingerissen. Zwischenapplaus zu den Songs wie "Sophiatown", "Winnie's song", "Mandela's song", "A message to my people" und zum Finale "Endlich frei" und zu dem magischen Spiel Bani Silva Prados waren so lebhaft wie bei Jazzveranstaltungen. Der Schlussbeifall für Inszenierung und Darbietung wollte nicht enden und mündete in Standing Ovations.
 
Neue Presse, 15.11.2010 - von Dr. Peter Müller
 
    


_____________________________________________________
    
„Eine irrwitzige Begegnung: Händel und Bach“
 
Treffen der Charakterköpfe
 
Eine irrwitzige und zugleich großartige Begegnung zwischen Händel und Bach im Haus der Kultur
 
Es ist das Duell zweier Größen der Musikgeschichte, wortreich und irrwitzig. "Händel und Bach, eine mögliche Begegnung" heißt die Komödie im Haus der Kultur in Waldkraiburg, die im Jahr 1747 spielt. Georg Friedrich Händel lädt den gleichaltrigen Johann Sebastian Bach in seine Hotelsuite in Leipzig zum Essen ein. Neben Austern und Suppe fließt reichlich Champagner und Wein. Da beide im Jahr 1685 geboren wurden, hätte so ein Treffen durchaus stattfinden können.
 
Szenenfoto - Copyright Theatergastspiele kempf

 
Auf der Bühne hat Regisseur Barry Goldmann das Stück gekonnt inszeniert. Sigmar Solbach verkörpert einen weltgewandten und reichen Händel, während Walter Renneisen in die Rolle des Kirchenkantors Bach schlüpft. Auf der einen Seite der nach Anerkennung heischende, geldgierige Lebemensch Händel mit weißem Rock, goldenen Schuhen und weißer Perücke. Auf der anderen Seite der einfache, bescheidene Provinzler Bach im schwarzen Kostüm. Für Händel, der durch seine Oper „Agrippina“ bereits zu Lebzeiten in Europa berühmt war, der durch Europa reiste und Starsänger für sein Opernhaus in London engagierte, ist Musik vor allem eines: ein hartes Geschäft. Bach hingegen arbeitet als Kirchenkantor in Leipzig, muss seine zahlreichen Kinder ernähren und hat es noch nicht einmal bis nach Italien geschafft. Er mag zwar das größere musikalische Genie sein, kann aber seine Musik kaum vermarkten und ist eifersüchtig auf den berühmten Sachsen Händel.
 
Recht schnell entwickelt sich ein Schlachtfeld der Eitelkeiten, auf dem beide Schauspieler sowie der Diener Händels, gespielt von Christian Janda, brillieren und die Charaktere facettenreich herausarbeiten. Solbach, der als TV-Serienarzt Dr. Frank bekannt geworden ist, gibt zunächst einen arroganten, selbstgefälligen Händel, der sich seines Ruhmes bewusst ist, bei König und Fürsten ein- und ausgeht, cholerisch seinen Diener anfährt und sich im Dschungel der Großstadt London locker zu behaupten weiß. Doch schnell bröckelt die glänzende Fassade und er gesteht, wie eifersüchtig er auf den genialen Komponisten Bach ist.
 
Der wiederum wird gequält vom Neid auf den Ruhm seines Gegenübers. Walter Renneisen lässt den zunächst unterwürfigen Bach immer selbstsicherer werden und will am Ende doch nur wissen, wie ein nur "mittelmäßig begabter Musiker" wie Händel so viel Erfolg haben kann.
 
Dass sich am Ende zwei ebenbürtige Größen gegenüberstehen und der eine nicht den anderen an die Wand spielt, liegt zum einen an den Schauspielern, die es schaffen, der Begegnung immer wieder neue Facetten zu entlocken, zum anderen an den geistreichen, witzigen und auch tiefsinnigen Dialogvorlagen.
 
Aufgelockert wird das Duell durch die Auftritte von Christian Janda, der als Faktotum Händels schön von oben herab Austern serviert, gelassen Händels Sprüche pariert und als Running Gag die Flügeltür immer wieder knallend ins Schloss fallen lässt.
 
Selbst wer sich nicht für Bach und Händel interessiert, hätte einen sehr unterhaltsamen Abend verbracht mit großartigen Schauspielern, die Bosheiten austauschen, missgünstig sind, sich verachten und doch bewundern. Die Zuschauer dankten es mit viel Applaus und stehenden Ovation. Völlig zu Recht.
 
Oberbayerisches Volksblatt, 10.11.10
 
    

_____________________________________________________
    
„Wahlverwandtschaften“
 
Bühne erstreckt sich bis auf die Zuschauerränge
 
Das Goethe-Stück „Wahlverwandtschaften" eröffnete die neue Saison und fand großen Anklang. Kronach - Es war kein „Theater wie Kino", was die Theatergastspiele Kempf mit Goethes „Wahlverwandtschaften" zum Start der Kulturring-Saison boten - es war mehr! Was Silvia Armbruster mit ihrer Übertragung des Stücks auf die Bühne und als Regisseurin gelang, verdient höchste Anerkennung und wurde vom Kulturring-Publikum mit lang anhaltendem Applaus gewürdigt.
 
Szenenfoto - Copyright Theatergastspiele kempf

 
Die Handlung des Romans ist zunächst so einfach wie zeitlos: Der alternde, reiche Eduard hat seine junge Liebe Charlotte geheiratet und lebt mit ihr zurückgezogen auf seinem Schloss. Beide widmen sich der Gestaltung des Parks, wozu Eduard seinen alten Freund Otto einlädt, den er um Pläne für die Umsetzung bittet. Um ebenfalls Gesellschaft zu haben, holt Charlotte ihre junge Nichte Ottilie auf das Landgut. Schon nach kurzer Zeit fühlt sich Eduard zu Ottilie hingezogen und Charlotte zu Otto, was beide Paare zunächst weder sich noch den anderen Partnern eingestehen wollen: Die Natur muss im Zaum gehalten werden, um der Konvention zu genügen. Doch sowohl bei der Gestaltung des Parks wie auch in der Beziehung der beiden Paare setzt sich die Natur immer mehr durch. Doch sind die „Wahlverwandtschaften" mehr als ein Stück über eine Dreiecksbeziehung. Goethe macht sie zu einer Reflexion über die Liebe und die Frage nach moralischem Verhalten.
 
Immer wieder griff die Handlung aus dem streng abgesteckten Bühnenrechteck in den Raum: Indem die beiden Herren das neue Parkgelände aufmaßen und dabei über die Stühle der Zuschauer kletternd den Kulturraum erschlossen, wurde die Brücke zum Zuschauer und damit in die heutige Zeit nicht nur symbolisch geschlagen. Als Otto alle Besucher zum Mitsingen von Beethovens „Ode an die Freude" animierte, war der Bann gänzlich gebrochen. Überhaupt spielte die Musik eine ganz zentrale Rolle in Armbrusters Inszenierung. Diese zeichnete sich durch Leichtigkeit aus, gepaart mit einem Schuss Ironie und viel Witz.
 
Die Schlüsselszene des Ehebruchs schließlich war mit einfachen Mitteln so eindeutig und aussagekräftig gespielt, dass das tragische Ende fast absehbar wurde. So kann auch das Kind die Ehe nicht retten, der unsinkbare Kahn versagt seinen Dienst, und am Ende ergreift Ottilie die Flucht - sie kann mit der Schuld am Tod des Kindes nicht umgehen. Ein beeindruckender Start in die neue Kulturring-Saison!
 
Fränkischer Tag Kronach, 20.10.2010
 

 
    

 
 
Weiteres Info-Material und Texte zu unseren Produktionen finden Sie HIER

 
 

 
© Theatergastspiele Kempf GmbH 2012  Impressum