Theatergastspiele Kempf GmbH
In allen Ehren
SCHAUSPIEL VON JOANNA MURRAY-SMITH
Der Sensationserfolg von London -
nach Berlin und Hamburg - jetzt für Sie!

20. November bis 20. Dezember 2008
6. November bis 20.Dezember 2009
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Handfestes Ehedrama und die Kunst der erotischen Körpersprache
400 Gäste beim Schauspiel "In allen Ehren" in den Peiner Festsälen - Lebhafte Dialoge, starke Szenen

PEINE. Zustimmendes Raunen geht durch die Zuschauerreihen in den Peiner Festsälen, als Honor ihrem Gatten George beim Fremdgehen nach 32 Ehejahren den Kopf wäscht. Und nach einer dreiviertel Stunde ist es so weit, dass die 400 Gäste des Schauspiels "In allen Ehren" nach jeder Szene applaudieren.
 
Und von denen gibt es viele im Stück der australischen Autorin Joanna Murray-Smith. Die Dialogszenen zwischen den vier Darstellern bestimmen das Tempo der gut zweistündigen Aufführung; ohne Unruhe oder Hast zu vermitteln. Vielmehr beleuchten die Szenen in verschiedenen Rhythmen ein Szenario, das sich entwickelt, wenn ein Mann nach 32 Ehejahren fremdgeht - und das allein in Dialogen, in Wortgefechten mit elegantem Florett, massivem Degen oder mit rustikaler Guillotine. Vor einer knallroten vier Meter hohen bühnenbreiten Wandkulisse, die in ihrer Schlichtheit die Worte umso mehr schimmern lässt.
 
"Liebe ist eine Mischung aus Glück, Kunst und Schmerz"
 
So entstehen Unterhaltungen wie kaleidoskopartige Farbenspiele kreuz und quer zwischen allen Darstellern; zwischen Ehepaar Honor und George sowie Tochter Sophie und Freundin Claudia. Und diese Abwechslung nimmt dem allgegenwärtigen Thema den Muff des Gewöhnlichen, Langweiligen, des: "Ach, das kennen wir ja schon!" Zum Beispiel: "Liebe ist eine sehr komplexe Mischung aus Glück, Kunst und Schmerz", sinniert Honor. "Aber im Alter möchte man abends doch lieber ein gutes Buch lesen, statt sich ans Bett zu fesseln."
 
Bein zeigen und Männern kesse Blicke zuwerfen
 
Und dann bekommt Sophie viele Tricks der diskreten Körpersprache mit, um George einzuspinnen. Ein kesser Blick, hier ein bisschen das Jackett über dem Busen zur Seite gelüpft, dort ein bisschen die Beine à la Sharon Stone übereinander geschlagen. Und schon taumelt George hilflos; souverän und facettenreich dargestellt von Film- und Fernsehschauspieler Max Volkert Martens (auch zu sehen im Kinofilm "Baader-Meinhof-Komplex").
Das gesamte Spiel dominiert ebenfalls Fernsehschauspielerin Krista Posch, bekannt aus Krimiserien wie dem "Tatort" und "Der Alte". Als Honor ist sie elegant und souverän in ihrer Verzweiflung. Und Anna Kretschmer als Töchterchen rundet die tadellosen Schauspielerleistungen ab. All dies ist nicht nur gelungen zusammen gehalten von Regisseurin Pia Hänggi, sondern auch mit einer hübschen erotischen Note unverfänglich sexy angehaucht.
 
Von Bernd Stobäus, Peiner Nachrichten, 24.11.2008
 
   

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Liebe, Loyalität und Leidenschaft
Starke Schauspieler machen "In allen Ehren" zu besonderem Theatererlebnis

Rheda-Wiedenbrück. "Eine gemeinsame Geschichte tötet die Leidenschaft", philosophiert George. Seine Geschichte ist seit 32 Jahren fest mit der seiner Ehefrau Honor verbunden. Als ihm die Journalistin Claudia über den Weg läuft, ist sie es, die die parallelen Lebenslinien der beiden durchkreuzt und ihn auf seinem eintönigen Lebensweg stoppt.
 
Das Beziehungsdrama "In allen Ehren" der Australierin Joanna Murray-Smith, aufgeführt im Ratsgymnasium, zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, wie solch eine Trennung das Ende, aber zugleich auch ein Neuanfang sein kann. "Ich will nicht ein altes Hobby oder ein Haustier für dich sein", sagt Honor, beeindruckend dargestellt von Krista Posch.
 
Ihr Mann hat sie verlassen. Innerhalb von vier Tagen hat George - in dessen Rolle der bekannte TV-Darsteller Max Volkert Martens glänzt - seine Sachen gepackt und ist zu Claudia gezogen, einer 28-jährigen Journalistin, die dem mehr als doppelt so alten Intellektuellen den Kopfverdreht hat.
 
"Es ist nicht wegen ihr. Nach 30 gemeinsamen Jahren können wir halt nicht mehr erfinderisch sein", sagt er zu seiner Frau, kurz nachdem er der jungen Cambridge-Absolventin mit Karriereambitionen tief in die braunen Augen geschaut hat und mit Blicken den scheinbar endlos langen Beinen ihrer Modellfigur hinauf geglitten ist. George bricht aus seinem "bürgerlichen Märchen" mit intelligenter Tochter, angesehenem Job und attraktiver Ehefrau aus und stürzt sich ins Abenteuer. Honor, die für die Familie ihre Karriere als Schriftstellerin aufgegeben hat; steht vor dem Neuanfang. Aus dem Schock schöpft sie Kraft, zieht einen endgültigen Schlussstrich, besinnt sich auf ihre Fähigkeiten und erreicht mithilfe neuen Selbstbewusstseins ihr berufliches Comeback.
 
In der Rolle der Claudia versprüht Genoveva Mayer eine derart erotische Spannung, dass so mancher Zuschauer hin und hergerissen ist zwischen Verachtung für den fremdgehenden Ehemann und Verständnis dafür, dass er - gelangweilt vom monotonen Alltag - den gezielt ausgespielten Reizen der jungen Journalistin nicht widerstehen kann.
 
"Ich habe was, was bei Männern den Wunsch auslöst, mit mir ins Bett zu gehen", sagt Claudia selbstbewusst. George verfällt dem Spiel, bei dem Claudia ihn nur benutzt, um ihre Karriere anzukurbeln. Sie genießt es, von einem angesehenen und erfahrenen Mann begehrt zu werden, kann selbst jedoch keine Liebe geben. Tochter Sophie (Anna Kretschmer) rüttelt ihre Mutter wach. "Sie schwimmt doch nur im Kielwasser deiner Bedürfnisse", erkennt sie früh die Absichten der Nebenbuhlerin. Sie fordert ihre Mutter auf, nach vorne zu schauen. Und so verwandeln sich nach und nach Georges Glücksgefühle in Ernüchterung und Honors Trauer in neuen Lebensmut. Das schlichte Bühnenbild, bestehend aus einer roten Wand mit zwei Schiebetüren und zwei Stühlen, zwingt den Zuschauer, die Konzentration auf die großartigen Schauspieler zu richten. Ihr hervorragendes Spiel mit geschliffenen Dialogen macht den Abend zu einem besonderen Theaterereignis.
 
Von UWE POLLMEIER, Neue Westfälische, 27.11.08
 
   

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Begeisterter Applaus für ein starkes Stück
Lindau - Ein 60-Jähriger ist von einer 30-Jährigen betört und verlässt deshalb seine Frau. Mit Krista Posch und Max Volkert Martens war eine erstklassige Besetzung aufgeboten, um diese Beziehungstragödie greifbar zu machen. Denn so banal und bekannt die Handlung auch klingt - es wurde großes Theater daraus.
 
Um Liebe, Leidenschaft und Liebesschmerz geht es an diesem Theaterabend, den das Publikum am Ende mit begeistertem Applaus für ein starkes Stück belohnte. Martina Schütze du Max Volkert Martens verkörpern Claudia und George, eine verführerische Journalistin und ein 60-Jähriger, der ihr rettungslos verfällt. Gewiss, auch sie findet den 60-Jährigen "inspirierend", schließlich ist er hochintelligent und schaut immer noch gut aus. Was aber soll der schon antworten, wenn sie ein geschickt geführtes Interview mit dem Satz beendet: "Sie wollen also nicht mit mir ins Bett?" Natürlich will er doch. Und hinterher will er das bisher geführte Leben hinter sich lassen und trennt sich von seiner Frau Honor, mit der er seit 32 Jahren eine achtbare Ehe geführt hat, mit den Worten "Ich will das alles nicht mehr."
 
Darum geht es aber gar nicht in erster Linie in diesem Stück, das die Australierin Joanna Murray-Smith 1995 unter dem Titel "Honour" veröffentlicht hat und das hier "In allen Ehren" heißt. Vielmehr versteht es die Autorin, aus wechselnden Dialogen ein kunstvolles Drama zu entwickeln, in dem man eine Menge übers Älterwerden, die Liebe, abtrünnige Männer und den Wert einer Ehe erfährt. Viel ist auch von Würde die Rede, die von der kaltherzigen Claudia als "einziger Vorteil einer älteren Frau" verhöhnt wird.
 
Herausragend spielt Krista Posch, die keineswegs als gekränkte Verlassene oder wutschnaubende Rivalin auftrumpft. Bei ihr paaren sich vielmehr feiner Ausdruck mit höchster Spielintensität. Doch stets lässt sie auch die Fassungslosigkeit darüber spüren, wie mühelos George den Wechsel zur Geliebten und ins neue Leben vollzogen hat.
 
Krista Posch spielt die nutzlose Einsicht über den weitgehend hormonbedingten Zustand ihres Gegenübers nicht in den Vordergrund - und vielleicht ist es das, was das Stück so authentisch macht: Hier George, dem Max Volkert Martens jenes Maß an Übertriebenheit angedeihen lässt, das Arrogante Hochintellektuelle und frisch Verliebte so gern überschreiten. Und dort Krista Posch, die offenbar weiß, was eine kluge Frau auszeichnet - und dass ihr adas im Zweifelsfall nicht unbedingt nützt.
 
Am Ende befällt ihn Zweifel
 
Trotzdem scheint George wenigstens ein leichter Zweifel zu befallen, als Honor ihm auf seinen Scheidungswunsch hin entgegenschleudert: "Wir teilen alles? Dan lass uns auch das Unglück teilen - und ich übernehme einen Teil Deiner neu gewonnenen Freuden." Das Weitere lässt die Autorin offen, doch bereits die aufziehende Ernüchterung bei der nächsten Begegnung zwischen Claudia und George lässt erahnen, dass ein junger Körper den Gehalt einer gewachsenen Beziehung wohl kaum ersetzen kann.
 
(ham)
Lindauer Zeitung, 4.02.08
   
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Eine wundersame Auferstehung
"In allen Ehren": Ehedrama mit beeindruckendem Spiel
 
Bad Salzuflen. "Liebe ist…" - jene die Menschen ein Lebe lang beglückende Frage, um die es auch in dem Erfolgsstück "In allen Ehren" von Joanna Murray-Smith ging, das am Freitag dank dem herausragenden Spiel von Krista Posch und den sehr überzeugenden Leistungen von Max Volkert Martens und Martina Schütze im ausverkauften Kurtheater einen großen Erfolg landen konnte.
 
Das Stück spielt die Wandlung der Liebe in einer sich globalisierenden Gesellschaft atomisierter Individuen durch. (…) Ein erfolgreicher alternder Mann verlässt die Frau, mit der er ein halbes Leben verbrachte, wegen einer viel jüngeren, die in diesem Fall gar seine Tochter sein könnte. (…)
 
In der Figur der Verlassenen spiegelt die Autorin die heute angesagte Antwort auf diesen Konflikt durch. Sie, die ihre Karriere für ihn aufgab, findet zu verlorener Größe zurück. Sie schreibt nach 30 Jahren wieder einen erfolgreichen Roman. Krista Posch spielte die restlose Zerstörung und die wundersame Auferstehung dieser Frau in jeder Phase überragend authentisch.
 
So ist die Verliererin letztlich die Gewinnerin, obwohl: In der letzten Szene treffen er und sie einander und vermögen nur noch zu stottern. Lliebe ist… Ja, was denn?
 
Von Andreas Schwabe
Lippische Landes-Zeitung, 28.01.2008
   
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Eine Geschichte, die das Leben schrieb

Star-Theater: Schauspiel "In allen Ehren"
Bad Wildungen. Für die letzte Vorstellung der erfolgreichen Staatsbad-Reihe Star-Theater gab es im voll besetzten Kurhaus immer wieder Szenenapplaus und langen, lauten Schlussbeifall. Zu Recht, die Aufführung des Schauspiels "In allen Ehren" der australischen Erfolgsautorin Joanna Murray-Smith durch ein Ensemble des Tourneetheaters Kempf war ein gelungener Abschluss der diesjährigen Theatersaison.
 
Im Stück geht es um eine fast alltägliche Geschichte, wie sie immer wieder vorkommt, die zum Klischee geworden ist. Das Leben selbst hat sie geschrieben, die Autorin hat sie mit Fingerspitzengefühl dramatisiert:
George (Max Volkert Martens), ein erfolgreicher und intelligenter Journalist, verkündet seiner Ehefrau Honor (Krista Posch) nach 32 Jahren glücklicher Ehe unvermittelt: "Ich gehe weg" und fügt das in solchen Fällten übliche "wir müssen reden" hinzu. Schwer auszumachen zunächst, wer von den beiden während und nach dieser Eröffnung verzweifelter ist. Die Ehe hatte für Honor stets bedeutet, "wie zwei Menschen miteinander älter werden - das bedeutet Loyalität". Grund für Georges plötzlich ausgebrochenen zweiten Frühling: die junge Journalistin Claudia (Martina Schütze). Clever ist sie, die 28-Jährige, hübsch, jung, intelligent, hartnäckig - und zielstrebig. Ihre Zielstrebigkeit offenbart sich schließlich mit der unverblümt-direkt gestellten Frage an George: "Sie wollen nicht mit mir ins Bett?" Natürlich wollte er. Und mit seiner Tochter Sophie (Christina Kiesewetter) wollte er auch reden, wollte sich rechtfertige: "Liebe geschieht einfach." Er fand aber kein Verständnis, nur ein "Du kannst mir leid tun".
 
Die Story ist idealer Stoff für eine Boulevardkomödie, aus dem die Autorin G'tt sei Dank anspruchsvolles Theater gemacht hat. Pia Hänggi - selbst eine hervorragende Schauspielerin - hat es in ihrer Inszenierung für die Touneebühne nicht einen Moment dahinplätschern lassen. Das Bühnenbild - eine knallrote Wand - und die einzigen Requisiten - zwei Thonet-Freischwinger-Stühle - haben die volle Aufmerksamkeit in jedem Moment ganz auf die hervorragenden Darsteller gelenkt.
 
Die gelungene Besetzung aller vier Rollen führte zu einer so im Kurhaus selten gesehenen Präsentation herausragender Schauspielkunst. Viele kurz aufeinanderfolgende Szenen-Sequenzen haben die Spannung während der gesamten Spielzeit aufrechterhalten und sie immer wieder von neuem aufgebaut. Bis zum offenen Ende und: "Liebe verwandelt sich ständig, vielleicht holen wir uns in den Erinnerungen das, was uns in der Gegenwart fehlt."
 
(zcm)
Waldeckische Allgemeine, 20.12.2007
   
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Spannend und ergreifend

FULDA
Die Geschichte, die Joanna Murray-Smith in ihrem Schauspiel "In allen Ehren" erzählt, ist einerseits alltäglich und banal, andererseits vielschichtig und spannend. Der Konflikt lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ein erfolgreicher Journalist verliebt sich nach 32 Ehejahren in eine 30 Jahre jüngere Frau.
 
Das Stück beginnt als Boulevardkomödie und mündet in ein kluges und allgemeingültiges Beziehungsdrama mit vier Personen: Ehefrau Honor, um die 60, fühlt sich alt; Ehemann George, um die 60, fühlt sich jung; Tochter Sophie; Mitte 20 , fühlt sich ungeliebt; Claudia, um die 30, löst die Lawine aus. So beschreibt die australische Autorin ihre Protagonisten, denen man überall begegnet. Deren Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen aus dem Leben gegriffen sind. (…) Bereits nach kurzer Zeit wird offenkundig, warum das Schauspiel als "wahres Juwel der Bühnenliteratur" gepriesen wird. Vor allem deshalb, weil es Schauspielertheater auf hohem Niveau bietet.
 
Szenenfoto Copyright Theatergastspiele Kempf GmbH

 
Diesen Anspruch erfüllte die Besetzung der Tourneeproduktion voll und ganz, zumal die vier Rollen vorzüglich besetzt waren. Krista Posch gab der verlassenen Honor, einer schönen, eleganten und kultivierten Frau, Format und Authentizität. Ihr Glück scheitert am Streben nach Harmonie und Perfektion. In einem Augenblick bricht ihre Welt zusammen "Wir müssen miteinander reden Ich gehe weg", sagt George lakonisch und beichtet dann sein Verhältnis. Max Volkert Martens zeichnet das präzise Portrait eines Mannes an der Schwelle zum Alter, geschmeichelt von der Bewunderung einer attraktiven jungen Frau, ausgeliefert dem Traum, sein Leben noch einmal neu gestalten zu können. Dieser George ist eine reife Frucht für Claudia. Martina Schütze spielt sie als verführerisch - offene, begehrenswerte Karrierefrau, die es liebt, geliebt zu werden. Vierte im unfreiwilligen Bunde ist Tochter Sophie, der Christine Kiesewetter das richtige Maß an Unverständnis, Wut und Trotz gibt. Uneingeschränkte Sympathie gebührt allein Honor, die Liebe als "sehr komplexe Mischung aus Lust und Schmerz" begreift. Sie macht ihrem Namen alle Ehre.
 
Szenenfoto Copyright Theatergastspiele Kempf GmbH

 
Das mitunter ergreifende Stück über Liebe, Leidenschaft, Verlust und Verzicht hat Pia Hänggi sensibel und temporeich inszeniert. Sie setzt das Quartett einer Laborsituation aus, die das karge Bühnenbild (Barbara Kaesbohrer) mit hohen roten Wänden, zwei Türöffnungen und zwei Stühlen unterstreicht. Hier treffen die Kontrahenten in unterschiedlichen Konstellationen aufeinander, ohne dass der Spannungsbogen unterbrochen wird. Sie enthält sich, ebenso wie die Autorin, einer moralischen Bewertung, wenngleich die letzte Szene einen Hauch von Hoffnung für Honor und George signalisiert.
Vielleicht fiel auch deshalb der wohlverdiente Schlussbeifall so heftig aus.
 
von Christoph A. Brandner
Fuldaer Zeitung, 24.November 2007
   
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Studie über Liebe, Loyalität und Leidenschaft

Unterhaching
Am Ende herrscht Sprachlosigkeit. Dabei ist die Sprache für Honour und George das Medium, in dem sie sich qua Beruf bewegen: Sie ist Dichterin, er ehemaliger Kulturjournalist, jetzt berühmter intellektueller Publizist. Er bringt nur noch ein stockendes "Es ist zu. . ." heraus, auf das sie mit einem resigniertem "Ich weiß" antwortet. Am Ende der Premiere des Stückes "In allen Ehren" der Grünwalder Theatergastspiele Kempf im Kubitz, liegt das so sicher geglaubte Gefühlsgerüst in Scherben vor den beiden Eheleuten.
 
Der Plot ist einfach, fast banal: Die Bewunderung der jungen Journalistin Claudia (Cornelia Corba) entzündet die Leidenschaft des 60jährigen George (Max Volkert Martens) bei einem Interview-Termin für ein Porträt. Dermaßen entflammt, verlässt er kurzerhand seine Ehefrau Honour Krista Posch), die während ihrer langjährigen Ehe der Kindererziehung ihre einstmals viel versprechende Karriere als Lyrikerin geopfert hat. Ein älterer Herr verlässt seine treue Frau für eine Jüngere - was sich wie eine tausendfach gehörte und banale Geschichte anhört, wird in dem Stück zu einer Studie über das Wesen von Liebe, Loyalität und Leidenschaft entwickelt und zeigt die unterschiedlichen Auffassungen, die die verschiedenen Generationen darüber hegen.
 
George verwechselt auf seine alten Tage echte Liebe mit Leidenschaft, wobei aber nur seine Eitelkeit bedient wird, wenn ihn die ebenso junge wie erfolgversessene Claudia begehrt. Sie wiederum erkennt bald frustriert, dass sie ihre eigenen Erfolgsträume auf ihn projiziert: "Wenn wir nicht mehr sein können als wir sind, dann sind wir nichts weiter als ein alter Mann mit einer jungen Geliebten." Und als genau das stellt es sich am Schluss auch heraus. "Es ist zu... banal", könnte man demnach den Schlusssatz von George vollenden, was Honour nur zu gut weiß, die als selbständige, geläuterte Frau aus der Sache hervorgeht, und die Würde, Achtung, Aufopferung (englisch "Honour") nicht mehr als essentiell für die Liebe ansieht. Die Tochter von George, Sophie (Christina Kiesewetter), wiederum hasst ihren Vater für seine Verantwortungslosigkeit; bewundert aber Claudia für deren Chuzpe.
 
Dieses kluge Stück der australischen Dramatikerin Joanna Murray-Smith schickt den Zuschauer für zwei Stunden auf eine Art Exkursion, bei der Schritt für Schritt das Verhältnis von Ratio, Moral und Gefühl ausgelotet wird. Regisseurin Pia Hänggi tat gut daran, das Stück mit einem kargen Bühnenbild - nur eine Wand, zwei Türen, ein paar Stühle - zu inszenieren, so dass die Akteure den Konflikt allein im Dialog entfalten müssen. Verblüffend vor allem, wie sicher sich Posch in der Rolle als Honour durch die Gefühlskaskaden bewegt. Martens überzeugt als George, dessen scheinbar sicheres intellektuelles Vokabular immer mehr versagt. Und auch Corba als die kühle Verführende und Kiesewetter als hitzige Tochter spielen glaubhaft ihren vermeintlichen moralischen Vorsprung aus, der sich doch nur aus einem Mangel aus Erfahrung speist. Der Zuschauer bleibt zurück mit vielen ausgekippten Denkschubladen, aufgerufen, sie immer wieder zu überdenken.
STEFAN MÜHLEISEN
SZ, 20.02.2006
   
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Kraft der Dialoge in Szene

"In allen Ehren" brillant und amüsant

Lübbecke (WB). Als kleine Sensation erwies sich ganz überraschend das Vierpersonenstück, das der Kulturring am Sonntag in der Lübbecker Stadthalle präsentierte. "In allen Ehren" ist ein Stück der hierzulande noch unbekannten, australischen Autorin Joanna Murray-Smith, das von Liebe und Leidenschaft, aber auch von Würde und Selbstachtung handelt.
 
Nichts Neues? Stimmt soweit. Das Stück variiert das alte Thema "Mann verlässt Frau." Tausendmal gesehen, oft dabei gegähnt. Nicht so am Sonntag, denn "Honour" (Ehre, Achtung, Würde) - so heißt das Stück im Original - berührt und hat Intelligenz, Lebensklugheit und Witz, was in dieser Mischung nicht oft vorkommt.
 
"Honor" (gespielt von Krista Posch) heißt auch die Heldin des Stückes. Sie ist eine gebildete Frau aus gutem Hause, seit 32 Jahren glücklich verheiratet mit dem erfolgreichen Journalisten George (Max Volkert Martens), für den sie, eine Karriere als Lyrikerin aufgegeben hat, und sie ist Mutter einer erwachsenen Tochter (Christina Kiesewetter). Alles scheint perfekt, bis die junge Claudia (Cornelia Corba) in ihr Leben platzt. George stellt plötzlich fest, dass ihm sein altes Leben nicht mehr genügt: Er verliebt sich in Claudia und verlässt seine Ehefrau. Für Honor bricht alles zusammen: Sie bewährt Haltung, ist aber zutiefst verletzt. Ihre Rivalin Claudia, zielstrebig und mit einem guten Schuss Rücksichtslosigkeit, sieht sich dagegen in ihrer Auffassung bestätigt: Frauen, die sich ganz ihrem Mann unterordnen, bleiben schließlich immer Opfer.
 
Die Beziehung zu George ist für sie reizvoll, eine intellektuelle Herausforderung. Sie liebt es, "von ihm geliebt zu werden" - eine Zeitlang, bis sie ihm wieder den Laufpass gibt. George erkennt, dass er Honor nicht hätte aufgeben sollen. Honor hat sich in ihrem Leben eingerichtet - ohne George.
 
Szenenfoto Copyright Theatergastspiele Kempf GmbH

 
So weit, so unspektakulär. Aber Murray-Smiths Dialoge machen das Stück zu etwas Besonderem. Sie analysieren genau, aber sie arten nicht zu psychologisierendem Geschwafel aus. Sie sind wunderbar geschliffen und amüsant.
 
"Kann es sein, dass die Nähe des Todes einen Mann in das Sonnenstudio treibt?" sinniert George zu Beginn als er sich noch über einen Bekannten mokiert, der sich. im "zweiten Frühling" eine, wesentlich jüngere Geliebte zugelegt hat. Aber niemals verliert sich das Stück in irgendwelchen Klischees: So einfach ist das Leben nicht, und Joanna Murray-Smith macht es sich nicht so einfach. Deshalb hat man am Ende auch mehr Mitleid mit George, dem "Täter", als mit Honor, dem "Opfer". Sie ist ganz offensichtlich die Stärkere von beiden: Sie hat sich ihre Selbstachtung bewahrt. George dagegen bleibt nichts außer der Erinnerung.
 
Ein Glücksfall für dieses Theaterstück war die Inszenierung von Pia Hänggi, die schnörkellos ganz auf die Stärke der Dialoge setzte. Auf einer betont nüchternen, mit roten Stellwänden begrenzten Bühne verliehen die vier ausgezeichneten Darsteller, sehr klar und konzentriert den Worten Gestalt. Eine Klasse für sich war Krista Posch in der Rolle der "Honor", die mit feiner Mimik und sparsamen Gesten ihren Charakter glaubwürdig und sehn nuancenreich verkörperte.
 
Begeistertes Fazit: Bei dieser Aufführung stimmte einfach alles.
Cornelia Müller
   
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Schauspiel-Aufführung war aller Ehren wert

Stück "In allen Ehren" animierte zum Nachdenken.

ISERLOHN. (lewi) Mit starkem Applaus verabschiedete das Publikum im Parktheater am Freitagabend die vier Akteure von der Bühne. Und gut passte die letzte Schauspielaufführung in der laufenden Spielzeit auch zum Motto "Mut", denn eine gehörige Portion Mut benötigte Titelheldin "Honor" in dem Stück "In allen Ehren", um die Trennung von ihrem Ehemann zu verkraften und ihre eigene Persönlichkeit neu zu entwickeln.
 
Für Honor bricht ihre heile Welt zusammen, als George ihr eröffnet, dass er sie nach 32 Ehejahren verlassen will. Der Intellektuelle hat sich in die junge Journalistin Claudia verliebt, die nicht viel älter ist als die eigene Tochter Sophie. Honor hatte ihr eigene vielversprechende Karriere als Lyrikerin hintenan gestellt, dem beruflichen Aufwärtsstreben ihres Mannes und dem Familienglück "geopfert" und steht nun scheinbar vor dem Nichts. Aber nachdem sie den ersten Schock verkraftet hat und von George loslässt, besinnt sich Honor auf ihre eigenen Stärken und ihre Selbständigkeit, emanzipiert sich erneut und beginnt im Alter um die 60 Jahre privat und beruflich ein neues Leben. Schließlich ist der unglückliche George offenbar der Hilflosere.
 
In hervorragenden Dialogen und mit Witz gelang es den Schauspielern Krista Posch (Honor), Max Volkert Marteris (George), Christina Kiesewetter (Sophie) und Cornelia Corba (Claudia) die Spannung um den Ausgang des Beziehungsdramas bis zum Ende offen zu halten. Und das Stück unterhielt nicht nur, sondern animierte die Zuschauer vor allem zum Nachdenken über Liebe und Leidenschaft, die Gegensätze zwischen den Generationen und das eigene Sich-Definieren über eine andere Person.
 
Die Leistung des überzeugenden Ensembles war wirklich aller Ehren wert!
   

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